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Stadt Pirna [ Festung Sonnenstein | Fotogalerie ] ![]() Bild: Pirna - Stadtansicht von der Elbbrücke Die etwa 20 km südöstlich von Dresden an beiden Ufern der Elbe sehr schön gelegene Stadt Pirna (120 m ü.d.M., ca. 40.000 Einwohner) wird auch als Tor zur Sächsischen Schweiz bezeichnet, denn hier beginnt, elbaufwärts gesehen, das malerische Elbsandsteingebirge. Der Name der Stadt leitet sich vom slawischen Ausdruck Na Pernem ("auf dem harten Stein") ab, womit der in dieser Gegend reichlich vorhandene Sandstein gemeint ist. Obwohl Pirna im April 1945, in den letzten Kriegstagen, Schäden durch einen amerikanischen Bombenangriff erlitt, konnte sich die Stadt viele bedeutende Renaissance- und Barock-Bauten bewahren. In der schönen denkmalgeschützten Altstadt mit ihren etwa 300 Baudenkmälern sind unter anderem zahlreiche Hausfassaden, Arkadenhöfe, Erker, Giebel und Sandstein-Sitznischenportale aus dem 15. und 16. Jahrhundert zu sehen.
Sehenswürdigkeiten Das frei in der Mitte des Marktplatzes stehende, im Jahr 1485 gebaute Pirnaer Rathaus zeigt sich schon seit einem Umbau um 1555 durch Wolf Blechschmidt annähernd in seiner heutigen Gestalt. Ein nochmaliger Umbau wurde im Jahr 1581 nach einem Brand erforderlich. Zu letzten Erweiterungen kam es zwischen 1878 und 1880. Der Turm und die Kunstuhr wurden im Jahr 1910 erneuert. ![]() ![]() Das Rathaus zeigt neben Elementen der Spätgotik im Erdgeschoss wie z.B. das Portal an der Ostseite auch solche der Renaissance am ersten Stock und am Giebel wie z.B. die drei Volutengiebel von 1549. Die Kunstuhr, an der zwei Löwen mit ihren Pranken die Zeit schlagen, und das Stadtwappen stammen aus dem Jahr 1612. Der Turm, der in seinem Barockstil nicht so recht zum übrigen Gebäude passt, kam erst im Jahr 1718 hinzu. Bilder: Ostseite des Rathauses Pirna mit altem Portal und Wappen (Bilder oben), Giebel, Rathausturm und Kunstuhr (Bilder links), Südseite mit Sonnenuhr (Bilder unten) ![]() ![]() Bild: Nordseite und Westseite des Pirnaer Rathauses ![]() Am Marktplatz von Pirna und in dessen Umfeld sind zahlreiche schöne Renaissance- und Barock-Bürgerhäuser zu finden. Insgesamt gelten hier 48 Häuser als historisch besonders wertvoll. Das um 1500 gebaute Haus Am Markt 3 ist zum Beispiel durch sein Kielbogenportal, einen fünffachen Baldachin und Sitznischen bemerkenswert. Bild: Ostseite des Marktplatzes mit Canalettohaus (hinten die Stadtkirche) ![]() Das im Jahr 1520 gebaute, durch hohe Renaissance-Giebel auffallende Haus Am Markt 7 zählt zu den ersten Renaissance-Häusern Sachsens. Es wird auch "Canalettohaus" genannt, weil es auf Canalettos berühmtem Gemälde "Der Marktplatz von Pirna" (1754) zu sehen ist. Der Vedutenmaler Bernardo Bellotto (1721-1780, "Canaletto") schuf im Auftrag des sächsischen Landesherren zwischen 1752 und 1755 insgesamt zwölf Gemälde von Pirna, die uns ein sehr detailliertes Bild von der Stadt im 18. Jahrhundert vermitteln. ![]() An der Südseite des Marktplatzes stehen das spätgotische Handelshaus (Am Markt 9) von 1673 mit einer Barockfassade und dem Wappen des Bürgermeisters Volkmer sowie das Stadthaus (Am Markt 12, s. Bild), in dem von 1472 bis 1686 die Kurfürstlich-Sächsische Eisenkammer eingerichtet war. ![]() Die mit einem ungewöhnlichen Sitznischenportal ausgestattete Löwenapotheke ("Stadtapotheke zum Löwen", Am Markt 17/18) von 1578 trägt eine Gedenktafel für den Apotheker Theophilus Jacobäer, der die Stadt im Jahr 1639 (im Dreißigjährigen Krieg) durch seinen mutigen Einsatz vor der vollkommenen Zerstörung durch die Schweden bewahrte. Gleich daneben steht das ehemalige Wirtshaus Weißer Schwan (Am Markt 19). Das Marienhaus (Am Markt 20) von 1514, das am zweiten Obergeschoss, unter der Dachtraufe, eine Marienfigur zeigt, diente in den Jahren 1621/22 als Kurfürstliche Landesmünze. Im Jahr 1813 bezog Kaiser Napoleon I. in diesem Haus Quartier. ![]() Bild: Haus an der Langen Straße (nördlich des Marktplatzes) ![]() In dem im Jahr 1540 gebauten, Blechschmidthaus genannten Gebäude Niedere Burgstraße 1 wohnte von 1544 bis 1563 Baumeister Wolf Blechschmidt, der unter anderem am Bau des Pirnaer Rathauses und der Stadtkirche beteiligt war. Auf ihn weisen das Reliefbild und das Steinmetzzeichen am auffälligen Sitznischenportal des Hauses hin. Zusammen mit den beiden Nachbarhäusern gehört es heute zum Hotel Deutsches Haus. Bilder: Blick zur Marienkirche (hinten im Bild das Blechschmidthaus), unten: Blechschmidthaus mit prächtigem Portal ![]() ![]() Bild: Erlenpeterbrunnen (erstmals 1384 erwähnt, Figur: Heinrich Schneider, 1908) an der Alten Knabenschule (1583) auf dem Kirchplatz unweit der Stadtkirche (Schild: "Der Erlenpeter bin ich genannt. / Armen Leuten wohl bekannt. / Wer nicht Geld hat in seiner Tasche / Der trinkt mit mir aus meiner Flasche") ![]() ![]() Das Engelserker-Haus (Barbiergasse 10) von 1624 ist nach seinem Eck-Erker, dem "Engelserker", benannt. Das Teufelserker-Haus (Obere Burgstr. 1), ebenfalls ein Bau der Spät-Renaissance aus der Zeit um 1615, verdankt seinen Namen dem schön verzierten "Teufelserker", der außer einer Teufelsfratze den Spruch "Ich wolds so haben, was fragsttu darnach" trägt. Bilder: Umfeld des Engelserkerhauses (Bild links) und Beispiele für Erker an den Pirnaer Bürgerhäusern (Bilder unten: links der Teufelserker, in der Mitte der Engelserker sowie Details von beiden) ![]() ![]() Bilder: Beispiele für Portale der Pirnaer Bürgerhäuser ![]() ![]() Das ehemalige Eckkaufhaus (Lange Straße 1) zeigt ein schönes Sitznischenportal und eine toskanische Mittelsäule, das Haus Lange Straße 10 ein Barockportal von 1730. Das im Jahr 1465 gebaute Haus Schmiedestraße 19 ist das Geburtshaus von Johannes Tetzel (1465-1519). Der Ablasshandel des Fuhrmannssohnes Tetzel brachte Martin Luther in Rage und gilt als ein wesentlicher Auslöser der Reformation. Auch das Haus Schmiedestraße 8, die ehemalige Fronfeste, ist sehenswert. ![]() Bild: Postdistanzsäule von 1722 am grünen Stadtring von Pirna (Grohmannstraße) ![]() Bilder: Beispiele für die prächtigen Straßenzüge Pirnas an den Zufahrtsstraßen zur Altstadt, das letzte Beispiel (Doppelbild) zeigt das Pirnaer Postamt ![]() ![]() ![]() ![]() Das in den Jahren nach 1300 entstandene Pirnaer Dominikanerkloster wurde im Jahr 1539, nach dem Einzug der Reformation in Sachsen, aufgelöst. Die um 1300 errichtete Klosterkirche St. Heinrich (s. Bild) präsentiert sich seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts als zweischiffige gotische Hallenkirche.
![]() ![]() Die Klosterkirche wurde in den letzten Kriegstagen 1945 von mehreren amerikanischen Bomben getroffen und schwer beschädigt. Zwischen 1953 und 1957 erfuhr sie eine umfassende Restaurierung und erhielt zwei Glasmalereien aus der Kirche St. Marien, ein Sandstein-Taufbecken von 1574 aus Thallwitz (bei Wurzen), einen Schnitzaltar von 1520 aus Thüringen und eine spätgotische Kreuzigungsgruppe aus der Lausitz. Interessant sind auch die wieder freigelegten Wand- und Gewölbemalereien aus dem 14. Jahrhundert. Die Kirche wird von der katholischen Gemeinde der Stadt genutzt. ![]() ![]() ![]() ![]() Das gegen Ende des 15. Jahrhunderts entstandene spätgotische Kapitelsaalgebäude des ehemaligen Klosters diente nach der Reformation als städtisches Magazin. Im Jahr 1923 richtete sich hier das Stadtmuseum Pirna ein. Im Jahr 1993 wurde es gründlich restauriert. Im Erdgeschoss sind Sandstein-Arbeiten, im ersten und zweiten Obergeschoss Objekte aus der Pirnaer Stadtgeschichte ausgestellt. Zu den ca. 25.000 Exponaten gehören etwa 4.000 Grafiken und 3.200 Münzen. Bild: Eingang des Stadtmuseums Pirna neben dem Kapitelsaalgebäude des Klosters ![]() Im Klosterhof - gegenüber der Kirche - steht das auch "Pesthaus" genannte ehem. städtische Zeughaus (um 1300). Der Name erinnert an die Unterbringung von Pestkranken im 17. Jahrhundert. Die Südseite war einst Bestandteil der Stadtmauer (der Wehrgang ist noch erhalten, s. Bild unten). ![]() ![]() Vom Marktplatz gesehen steht hinter dem Canalettohaus die zwischen 1502 und 1513 von Peter Ulrich errichtete und nach dessen Tod zwischen 1513 und 1546 von Markus Ribisch und Wolf Blechschmidt fertiggestellte dreischiffige Stadtkirche St. Marien, eine der größten spätgotischen Hallenkirchen Sachsens. Auch diese Kirche ist mit ihrem Turm und dem ungewöhnlich hohen Dach (mehr als 19 m hoch) auf dem schon erwähnten Gemälde Canalettos zu sehen. Die Barockhaube des an der Südwestecke der Kirche stehenden, zwischen 1466 und 1479 gebauten oben zwölfeckigen Turmes kam erst im 18. Jahrhundert hinzu. Bilder: Stadtkirche Pirna (Marienkirche), gesehen vom Sonnenstein (Bild links) und vom Marktplatz (Bild unten) ![]() Bilder: Nordportal der Stadtkirche ![]() Die Marienkirche besitzt eine wertvolle Innenausstattung (im wesentlichen nach Entwürfen von Peter Ulrich gestaltet). Das auf zwölf achteckigen Säulen ruhende prächtige Deckengewölbe zeigt noch die Ausmalung von 1546. Der erste Superintendent Antonius Lauterbach ließ die Gewölbe damals mit Motiven aus dem ersten und zweiten Buch Mose ausmalen. ![]() Die großartigen Gewölbeverzierungen - ein feines Maschennetzgewölbe im Mittelschiff und Sternenmustergewölbe in den Seitenschiffen - stammen wahrscheinlich von Georg von Maulbronn. Im südöstlichen Seitenschiffbereich sind eine ungewöhnliche, schlangenförmig gestaltete Hobelspanrippe und eine vom Gewölbegrund gelöste Schleifenrippe zu sehen (s. Bild unten). ![]() ![]() Das Fischblasengewölbe der Chorapsis zeigt Darstellungen der vier Evangelisten, wobei Lukas und Markus die Züge von Martin Luther bzw. Philipp Melanchthon tragen. Eine Besonderheit sind die zwei (von ursprünglich zwölf) Baumstammrippen, an denen eine "wilde Frau" und ein "wilder Mann" empor klettern (s. Bild - unterer Rand).
Der im Jahr 1611 von den Brüdern Michael und David Schwenke aus Pirnaer Sandstein geschaffene 10 m hohe manieristische Hauptaltar der Marienkirche gehört zu den bedeutendsten Bildhauerarbeiten der sächsischen Spät-Renaissance. Am Sockel sind die Geburt Jesu, das Abendmahl und die Kreuzigung dargestellt, in der Mitte die Sintflut und darüber die Auferstehung, an den Seiten Elias Himmelfahrt und die Jakobsleiter. Der Taufstein von 1561, den schon Johann Wolfgang von Goethe wegen der prächtigen Sockelverzierung lobte (26 Figuren stellen den Tagesablauf eines Kindes dar), ist wahrscheinlich eine Arbeit von Hans Walther II. ![]() Bild: figurengeschmückte spätgotische Kanzel (1516-1525) in der Stadtkirche Pirna ![]() Bild: Lesepult in der Stadtkirche Pirna ![]() Bild: Emporen im südlichen Seitenschiff der Stadtkirche Pirna ![]() Bild: Beispiel für die zahlreichen sehenswerten alten Epitaphien bzw. Grabdenkmäler in der Kirche und an ihrer Außenmauer
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